Der traurige Dichter
An einem grauen Sommertag
Mit Wolken schwer wie Blei
Saß ich am Fenster meines Zimmers
Und dachte mir dabei,
Wie schön es wär,
Ein Buch zu schreiben -
Oder sogar zwei.
Mit Buchstaben buchstäblich fein;
Gedruckt in Schwarz auf Weiß.
Gebunden ganz in weiches Leder.
Was Edles für 'ne Edelfeder!
Vierhundert Seiten soll'n es sein,
Lieber noch mehr anstatt zu wenig.
Eine Reise in die Phantasie
Nach London, Rom, Venedig.
Oder ein Kriminalroman
Mit Leichen, Tod und Teufel
Und Blut, das literweise fließt.
Doch eine innre Stimme sprach zu mir:
"Lass es nur sein, wär schade drum,
wenn's keiner liest."
Erneut verlor ich mich voll Tatendrang
in meine Traumgedanken
An Grusel, Horror, Liebesleid
Und unbekannte Wesen.
Da sprach die Stimme abermals:
"Du magst passabel schreiben,
doch will das keiner lesen."
Ich blickte wieder raus und rauf
Zu Gottes grauen Wolken.
Ich fühlte meines Geistes leer,
Als wäre er gemolken.
Von Ungeduld und laissez-faire
Weiß ich nur zu berichten.
Ein dicker Schinken liegt mir nicht,
Nur solche Kurzgeschichten.
Drum fing ich an zu dichten.