Sie asselt

Sie asselt

Halt mal, nicht gleich schreiend weiterblättern. Die Hauswinkelspinne, obgleich mit ihren acht kräftigen Beinen nicht dem ästhetischen Verständnis eines durchschnittlich arachnophobischen Mitteleuropäers entsprechend, ist ein Nützling! Denn hinterm Wohnzimmerschrank oder in der Waschküche saugt sie gerne Kellerasseln aus. Die schaligen Überbleibsel liegen zwar so in der Gegend herum, aber: Lieber eine fette Trichterspinne als hundert olle Asseln in der Bude, oder? So darf das Tierchen, das von Fall zu Fall das Verniedlichen mit „chen“ nicht verdient hat und überdies bis zu sieben Jahre alt werden kann, spätestens seit dieser Zeile auf das Ihrige Verständnis hoffen, liebe Leser, wenn es mal wieder in der Badewanne sitzt und nicht rauskommt. Nicht töten, sondern retten also! Und bitteschön, ohne Tegenaria atrica ein Bein zu krümmen. Soll sie doch ihr ausladendes trichterförmiges Netz hier und dort ruhig spannen; ein Netz, das in eine nach hinten offene Röhre übergeht. Jede Mücke, jede Assel, jedes noch so ahnungslose Kleinstlebewesen, das dort hineingerät, nun ja, das schaut gewissermaßen in die Röhre.
Einer alt hergebrachten Weisheit zufolge bringt das Spinnentöten im eigenen Haus Unglück. Davon zeugt auch das folgende, moderne Werk, das von Anfang bis Ende übrigens länger ausfällt als jede bislang entdeckte Hauswinkelspinne. Fast jede…

Kein Haus im Glück

Unbehagen.
Angsterfüllt.
Totgeschlagen.
Eingehüllt
In die Arachnophobie.

Trichterspinne
Ohne Chance.
Phobiist
Verliert Patience.
Sich der Grausamkeit belieh.

Zu viel gejagt.
Zu oft getötet.
Niemand fragt.
Kein Mensch errötet
Hier vor Scham.

Zerstört ein Leben.
Einfach so.
Gerade eben.
Grob und roh.
Das ist infam.

Hauswinkelspinnen
Netz verwaist.
Menschgetüm
Ist entgleist.
Und kein Zurück.

Barmherzigkeit
Nicht gegeben.
Ausgelöscht
Ein Spinnenleben.
Kein Haus im Glück.





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