
Er laust ab
Hobbygärtner sollten das Tun und Lassen von Nützlingen nicht überbewerten. So ist es gewiss auch dem Blattlauslöwen schnuppe, dass er mit seinem Heißhunger aufs lästige Kroppzeug einem Teil der Gesellschaft einen guten Dienst erweist, was ihn rein verhaltenstechnisch zu einem Artverwandten der russischen Mafia macht. Die mischt für ihre Opfer allerdings Beton an, um sie verschwinden zu lassen. Hingegen lebt der Blattlauslöwe lieber nach der Devise: „Eine geht noch, eine geht noch rein“. Tagsüber fastet der Weltmeisterschnabulator; als nachtaktiver Flattermann öffnet er die Blattlausmilchbar erst bei Anbruch der Dämmerung. Vorzugsweise fliegt er dann aus seinem Lebensraum kommend (Laubbäume, Sträucher) dort hin, wo er satt wird: zu Rosen, Engelstrompeten, Fuchsien und allerlei Balkonpflanzen, die befallen sind. Auf künstliches Licht reagiert der Gierlappen stantepede: kaum angeknipst, schon flattert er mit stolzen 30 Millimetern Spannweite einher. Man kann ihm also den Weg zum Festbankett leicht machen. Das ist eine gute Möglichkeit, ihn genauer zu betrachten, denn tagsüber tarnt er sich perfekt dank Form und Färbung, die ihn wie ein dürres Blatt aussehen lassen. Wer den lateinischen Namen des Blattlauslöwen unfallfrei aussprechen kann, ist schon sein Bruder im Geiste: Drepanepteryx phalaenoides. Aus Gründen der Lesbarkeit sind diese 25 aneinandergereihten Lettern im folgenden Werk nicht verwendet worden.
Des Gärtners Glück
Ein wohliges Schmatzen durchtrennt die Stille der Nacht
Und wird bis morgen sein.
Hungrig saugt der Blattlauslöwe, wie er es immer macht
Im fahlen Mondenschein.
Sein Festmahl ist des Gärtners Glück,
Der sich auf ihn verlässt.
Kein Pestizid, kein Sud wird seinem Tun gerecht
Und wird es niemals sein.
Genussvoll labt der Löwe sich auf einem Grüngeflecht
Und hält die Blätter rein.
Der Gärtner träumt indes verzückt.
Er schläft schon tief und fest.