
NEU Das schöne Eiland im Kattegat: Samsø ist aufregend leise
Fighter ist ein gänzlich treuer Bordgenosse, klein, drahtig und vollkommen seefest. Dem Mischlingsrüden gefällt die Fahrt mit der Tunø über die dänische Ostsee. Er hält seine feuchte Nase in den Wind, bellt die Wellen an, wuselt über die nassen Teakholzplanken vom Bug zum Heck und zurück und holt sich von Käpt‘n Edward ein paar Krauleinheiten, wenn ihm danach ist. So ein Hundeleben auf der Tunø ist ’ne feine Sache.
Und der Grand-Cru-Riesling aus dem Elsass ein feiner Tropfen. Mit fast 500 Kronen ist er seinen Genießern nicht nur lieb, sondern auch teuer. Zur formidablen Küche des Flinchs Hotels im Städtchen Tranebjerg passt er vorzüglich. Doch Riesling und zartes Lammfilet, das war gestern Abend in froher Runde zu später Stunde. Jetzt gerade ist es halb zehn, ziemlich früh also, gefühlt fast noch Nacht, und über dem südlichen Zipfel der Insel Samsø braut sich was zusammen. Die Wolken werden dunkler, der Regen nimmt zu, und die Tunø pflügt durch Gischt und Wellen zum Windpark vor dem septemberverschlafenen Eiland. Das betagte Mädchen tuckert Touristen meistens zum Seehundsreservat. Oft stiehlt Fighter, standesgemäß in Rettungsweste gekleidet, den Robben die Schau. Aber wenn’s, wie jetzt, ein bisschen mehr als normal schaukelt, achten Landratten selbst auf den Bordhund nicht mehr, sondern nur noch auf ein rettendes Ufer…
Die Tunø ist aber immer wieder in den sicheren Hafen der Ortschaft Ballen zurückgekehrt. „Da sind wir. Ich hoffe, es hat Ihnen Spaß gemacht“, pflegt der wortkarge Edward dann zu sagen und entlässt seine Fahrgäste mit einem milden Lächeln auf festen Boden. Nach der aufreibenden Kleinkreuzfahrt zieht es viele Gäste in den Bann Samsøs zurück, der in einer Mischung aus unaufgeregtem Erlebnis und natürlicher Gelassenheit im sanften Tourismus eine Bugwelle vor sich herschiebt, die auch nicht größer ist, als die der Tunø.
Den Vorteil dieser unterschätzten, teils unentdeckten Schönheit, haben nicht nur Ruhe suchende Urlauber für sich erkannt, sondern auch Dänen wie Jette und Stig Hedeboe. Sie kauften sich vor einigen Jahren das Gut Alstrup als Ruhesitz für den Unruhestand. Seit 2004 produziert Stig Wein. Cuvée Caroline ist ein fruchtiger, roter Bruder aus 100 Prozent Rondo. „Er schmeckt wundervoll, nicht wahr!“, sagt Stig mit Ausrufungs- statt Fragezeichen. Tut er.
Dänischer Wein, unglaublich… So gestärkt lässt sich das zart schmelzende Flair des hübschesten Dänendorfes Nordby mit seinen Reet gedeckten Fachwerkhäusern und den bunt leuchtenden Eingangstüren noch mehr genießen. Und natürlich gibt es auf Samsø auch Strände – den schönsten ganz weit oben, an der Nordspitze, hinter einem hügeligen, grünen Landstrich, der ein bisschen so aussieht, wie ein Teil vom Auenland und so aufregend leise ist, wie es die Seele Samsøs überall auf dem 27 Kilometer langen Eiland im Kattegat zu zelebrieren vermag.
Übrigens: Keine Insel ohne Überfahrt: Mit der M/F Kanhave setzt die Reederei Faergen täglich mehrmals von Hou auf Jütland nach Saelvig auf Samsø über. 600 Menschen und 110 Pkw haben Platz auf der Fähre; zur Hauptreisezeit ist eine vorherige Buchung unbedingt erforderlich. Die Fahrt dauert rund 60 Minuten. Mehr unter www.samsoefaergen.dk und www.visitsamsoe.dk
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Zu den Bildern (von oben nach unten)
Drahtig: Fighter ist der Bordhund auf der Tunø.
Sonnig: Einige hübsche Strände laden auf Samsø zum (Sonnen-)Baden ein.
Volle Kraft voraus: Gäste wie Christoph Bohn lassen sich mit der Tunø gerne auf die Ostsee schippern, zum Beispiel zum Energiepark der Insel.
Blumig: Nordby mit seinen Reet gedeckten Fachwerkhäusern ist eines der hübschesten Dörfchen ganz Dänemarks.
Windig - aber keine windige Angelegenheit ist der Inseleigene Energiepark.