Back mit "Black Ice": AC/DC rüttelt Europa durch!Back mit "Black Ice": AC/DC rüttelt Europa durch!Back mit "Black Ice": AC/DC rüttelt Europa durch!Back mit "Black Ice": AC/DC rüttelt Europa durch!Back mit "Black Ice": AC/DC rüttelt Europa durch!Back mit "Black Ice": AC/DC rüttelt Europa durch!Back mit "Black Ice": AC/DC rüttelt Europa durch!

Back mit "Black Ice": AC/DC rüttelt Europa durch!

Bremen / Hamburg. Die haushohen Boxentürme im Niedersachsenstadion haben rote Hörner auf. Sie leuchten in der Dunkelheit. Weiter unten malträtiert Angus Young auf dem Rücken liegend seine E-Gitarre. Später tut er dasselbe im gläsernen Bühnenfahrstuhl, der ihn unter dem Gejohle von 60 000 Besuchern bis ganz nach oben bringt. Es ist ein euphorisch gefeierter Sommerabend im Juli 2001.

Ganz nach oben. Das Gefühl kennt Angus Young, denn mit jeder Show, mit jedem neuen Album katapultiert er sich und seine Band AC/DC ganz nach oben. Der australische Derwisch mit schottischer Geburtsurkunde, der ohne Sauerstoffzelt kein einziges Konzert überleben würde, gab dem Hardrock schon in den siebziger Jahren ein eindeutiges Profil. Mit dem Album „Black Ice“ ist die Band jetzt zurück im Scheinwerferlicht. Bislang sieben Konzerte sind im März nächsten Jahres in Deutschland datiert – binnen zwölf Minuten waren alle ausverkauft! Das Internet ist eben Fluch und Segen zugleich. Tausende Fans, die leer ausgingen, hoffen jetzt auf eine Open-Air-Tournee. Wie damals im Sommer 2001.

Es geht um Suff, Weiber,
um Kerle und Rock’n’Roll

Die Hörner sind seit dem 1979er „Highway To Hell“-Album ein Markenzeichen AC/DCs geworden wie die Schuluniform für Angus Young („Ich glaube, die Fans erwarten, dass ich sie anziehe“). So teuflisch wie er tut, ist der wilde Musiker nicht. Alles Show. Aber eine verdammt gute. Angus Young ist ein fantastischer Gitarrist, der nichts mehr und nichts weniger im Sinn hat, als den Fans das zu bieten, was sie wollen: ehrlichen Hardrock ohne Anspruch auf eine die Welt verbessernde Message. Es geht um Suff und um Weiber. Es geht um Kerle und um Rock’n’Roll, nichts weiter. Es geht um Spaß an der Sache. Es geht darum, der ganzen globalen Kaspermucke mal wieder ein bretthartes Riff entgegenzubringen, das im Wesen dem akustischen Gebrüll einer Kreissäge schon sehr nahe kommt.

„That’s the way I wanna Rock’n’Roll“ singt Brian Johnson. Frei übersetzt: „Das ist meine Art von Rock’n’Roll.“ Glücklich sieht der AC/DC-Sänger aus, wenn er vorne am Bühnenrand in die Knie geht, die Baskenmütze in den Nacken schiebt und die Faust zum Himmel stößt. „That‘s the way I wanna Rock’n’Roll.“ Brian Johnson ist eine Rampensau. Damals, 2001 in Hannover, lief er wie von der Tarantel gestochen den ins Publikum gebauten Bühnensteg entlang, sprang und landete an dem meterlangen Seil, das den Schwengel der Riesenglocke in Wallung brachte. Johnson schaukelte über den Köpfen der AC/DC-Fans, die Glocke ertönte, das Spotlight auf den Sänger erlosch und erfasste noch in der selben Sekunde Angus Young. Die ersten Riffs für „Hells Bells“ schrotete er wie eine Salve Böllerschüsse in die Nacht hinein. Ein gewaltiges Ereignis. „That’s the way we wanna Rock’n’Roll.“

Im kommenden März 2009 wird diese Glocke wieder ertönen. Sie wird Konzerthallen in ganz Europa – von Oslo bis Barcelona, von London bis Mailand, von Stockholm bis München – zum Beben bringen. Der ganze schöne Kontinent wird wackeln. Bon Jovi, Metallica, Rolling Stones werden vergessen sein an diesen Abenden, an denen das Intro von „Thunderstruck“ sich langsam und mächtig wie eine Wand voll Sound aufbauen und dann explodieren wird.

Dass der Sound von AC/DC sich in dreieinhalb Jahrzehnten nicht entscheidend geändert hat, ist weder langweilig noch einfallslos, sondern das Erfolgsrezept. Eine Ballade dieser außergewöhnlichen Gruppe gibt es nicht. Eine stromlose „unplugged“-Platte wäre so unmöglich wie affig. Und ein „Best Of“-Album wird es nicht geben, solange Angus Young lebt, weil er schlicht der Meinung ist, dass alles, was seine Band je gemacht hat, ein großes „Best Of“ ist. Drum ließ er sich wohl auf dem Cover des verdammt guten 2000er-Albums „Stiff Upper Lip“ als goldene Statue ablichten, die bei den damaligen Live-Shows schließlich meterhoch vom Bühnenhintergrund grüßte.

So golden waren die Zeiten freilich nicht immer. Bon Scott, ehemaliger Sänger der Hardrockband, die niemals, niemals, niemals eine Metalband gewesen ist, erstickte in der Nacht vom 19. auf den 20. Januar 1980 nach einem Zechgelage in London an seinem eigenen Erbrochenen. Unfreiwillig baute er der Gruppe damit ein erstes Denkmal, denn alle dachten, dass AC/DC daran zerbrechen würde. Die Band tat es nicht. Die Brüder Angus und Malcolm Young schrieben Songs und fanden in Brian Johnson, ehemals Frontman der relativ erfolglosen Rocker von Geordie, einen neuen Sänger.

Mit „Back in Black“
in eine neue Ära

„Back in Black“ hieß das erste Album in der Ära nach Bon Scott, produziert innerhalb von knapp zwei Monaten kaum ein viertel Jahr nach dem Tode Scotts. Ein Meilenstein der Rockmusik. „Back in Black“ wurde mit 42 Millionen verkauften Einheiten eines der bestverkauften Alben aller Zeiten. Songs wie „You shook me all night long“, „Hells Bells“ und „Shoot To Thrill“ wurden zu Klassikern und bremsten Zweifler, bevor sie zweifeln konnten. AC/DC gelang ein Ritt auf der Rasierklinge, denn einen Sänger wie Bon Scott zu ersetzen, war schwierig bis unmöglich – Brian Johnson schaffte es, ohne Scott jemals vollständig vergessen zu machen. Doch seit jenen Tagen drückt der heute 61 Jahre alte Johnson der Band seinen Stempel auf. Und es macht ihm „einen Höllenspaß, mit den Jungs zu rocken“, wie er immer wieder betont.

„Black Ice“ heißt das neue Album, bestückt mit 15 Songs. Das Rocker-Quintett hält sich stur an das, was es immer getan hat. Die Grenze zum Metal hat AC/DC dabei auch jetzt nicht überschritten. Die Wurzeln der Band, die am 31. Januar 1973 ihr Debüt im Chequers Club in Sydney gab, liegen eindeutig im Blues und waren nie woanders. Da wummert der Bass wie zu alter Zeit und gibt den Songs eine Seele. Das klingt nicht metallisch tot, das hört sich rockig-lebendig an und entspringt dem nimmermüde werdenden Quell des Angus Young, der auf seiner Gibson oder der Les Paul laut und dreckig mit den 15 neuen Songs erneut einen „Highway To Hell“ entlangdonnert.

Fotos: Jens Rathmann





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